Freitag, 21. Dezember 2012

Wintersonnwende Teil I: Apocalypse Now?

Langsam erwache ich in meinem Wust aus Kissen und Decken und räkle mich genüsslich. Mein Körper ist noch ziemlich steif und ich fühle mich leicht geplättet von der Kombination aus Sekt und Yoga am Vorabend. Gesang dringt aus dem Untergeschoß zu mir und fahles Licht fällt durchs Fenster.

Das ist er also, der Morgen zum Weltuntergang.
Fühlt sich an wie jeder x-beliebige Morgen im Winter. Die Sonne ist aufgegangen - was schon mal einige der New-Age-Prophezeihungen wiederlegt. Glück gehabt! Ich höre auch keine Engel trompeten und irgendetwas sagt mir, dass sich in den Nebelbänken, die draussen auf dem Feld zu sehen sind, wahrscheinlich keine Aliens verbergen.

Für die meisten Menschen, mit denen ich zu tun habe, ist der 21. Dezember ohnehin entweder ein Tag wie jeder andere oder die jährlich wiederkehrende Wintersonnwende. Nix besonderes. Nur einer meiner New-Age-Freunde, der ohnehin nicht für seine große Erdung bekannt ist, konnte sich gestern kaum auf dem Stuhl halten aufgrund der immensen Schwingungsbeschleunigung. Ja, die habe ich auch gespürt, aber bei mir war's wohl eher der Sekt.

Nichtsdestotrotz beschäftigt mich das Thema Maya-Kalender.
Nicht, weil ich daran glaube. Natürlich ändert sich die Energie am 21. Dezember, denn es ist ein besonderer, jährlich wiederkehrender Punkt im Zusammenspiel von Sonne und Erde. Und dass wir in interessanten Zeiten der Wandlung befinden ist ohnehin klar, wobei ich diese eher auf Veränderungen im kollektiven Bewusstsein der Menschen zurückführe. Das ganze Jahr war für mich eine Achterbahnfahrt großer innerer Veränderungen, die ich jedoch größtenteils als freudvoll und spannend empfunden habe und trotz Beschleunigung mit ausreichender Erdung.

Der Maya-Kalender-Glaube beschäftigt mich, weil ich sehe, wie einfach es ist, ach so vernünftige Menschen mit völlig aus der Luft geholten Behauptungen über völlig willkürlich definierte Daten in tiefsten Aberglauben zu stürzen; ein Phänomen, das zu jeder Jahrhundertwende zumindest in der christlichen Ära aufgetreten ist.

Und damit meine ich nicht die Spirituellen und Esoteriker in meinem Bekanntenkreis. Die meisten Posts über den Weltuntergang, die ich auf Facebook sehe, stammen von den unspirituellen, vermeintlich aufgeklärten Menschen, die sich zwar ausgiebig über das Thema lustig machen, aber doch offenbar irgendwie damit beschäftigen. Ironisch irgendwie. Von naturspiritueller Seite so gut wie keine Erwähnung der Begriffe Maya, Weltuntergang oder Apokalypse. Was Sinn macht, denn wie kann es in einem naturspirituellen Weltbild, das auf einem zyklischen Zeitmodell beruht, so etwas wie ein absolutes Ende geben? Das überlassen wir doch lieber den Traditionen, bei denen die Beobachtung natürlicher Kreisläufe keine Rolle spielt und die dementsprechend anfälliger für aus der Luft gegriffene Untergangsdaten innerhalb eines aus der Luft gegriffenen Kalenders sind.

Das interessante ist, dass dieses naturferne Gedankengut seit über tausend Jahren unsere gesamte Gesellschaft prägt, so dass es mich nicht weiter verwundert, dass der Maya-Mist (mit dem die echten Maya herzlich wenig zu tun haben) im christlich geprägten Mainstream besonders begeistert aufgegriffen wird. Natürlich mit viel Ironie und Zynismus, aber auch mit einem Rest von "haha, vielleicht ist ja doch was dran."

Die Veränderung, auf die ich wirklich warte, wird erst in ein paar Tagen, Wochen oder gar Monaten zu sehen sein. Wenn nämlich die Weltuntergangsbefürchter bemerken, dass es weiter geht. Dass sie weder in einer Flammenhölle untergegangen noch vom Ashtar-Kommando in die achte Dimension versetzt worden sind. Dass sie tatsächlich selbst sehen müssen, wo sie bleiben, wie sie ihr Leben weiterführen und mit den großen wie kleinen Problemen auf der Welt umgehen wollen.
Die nächste Weltuntergangsprophezeiung kommt bestimmt, aber ich erwarte, dass eine Menge Menschen aufwachen und erkennen werden, dass sie den Lauf der Welt selbst in der Hand haben. Ohne ein unmittelbar bevorstehendes neues Datum für die Apokalypse könnte das für das Jahr 2013 eine Welle absolut positiverAufbruchsenergie bedeuten. Darauf freue ich mich.

Mehr zur Wintersonnwende von mir (der wirklichen, ohne die Erwähnung des Wortes Maya. Versprochen.) gibt's heute Nacht. Oder morgen früh, mal sehen.

Euch allen eine besinnliche, erhellende, energetisierende Mittwinternacht!
Chris

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