Sonntag, 16. September 2012

Sein

Es ist ein ganz gewöhnlicher Tag. Ich fahre Bus und während ich nach draussen blicke und die Häuser, Bäume, Felder und Menschen an mir vorbeiziehen, ist mein Herz offen und ich fühle mich verbunden mit Himmel und Erde; auf eine ganz unaufgeregte, ruhige Weise. Ich fühle mich leicht und behaglich eingekuschelt in die Welt.

Was ist passiert? Nichts. Ich habe an diesem Morgen weder meditiert, noch mich mit Salbei gereinigt oder mit Göttern gesprochen. Und doch bin ich plötzlich in diesem Zustand, den ich in den letzten Jahren oft herbeigesehnt und doch selten erreicht habe. Völlig mühelos, ohne Absicht, ohne Technik.

Der Zustand hält weiter an, während ich durch die Stadt gehe. Da ist kein Unterschied zwischen den Betonschluchten und dem Wald, in dem ich sonst oft meine spirituellsten Erfahrungen mache. Alles kommt mir gleichermaßen heilig, liebens- und schützenswert vor. Auch die Menschen, die mir begegnen. Oft fällt es mir schwer, das Gute in ihnen zu sehen, aber jetzt ist sehe ich mühelos, dass jeder von ihnen ein Funke Gottes ist und nur seine Version der Realität erschafft.

Ein Teil von mir beginnt den Zustand genauer wahrzunehmen - nicht zu analysieren, sondern einfach nur aufmerksam dafür zu sein, denn noch habe ich eine leichte Sorge, ich könnte es mit zu viel Kopfarbeit zerstören.

Was auffällig ist, ist dass der Zustand völlig stabil ist. Da ist keine Bewegung, keine Gemütsregung im eigentlichen Sinne. Nur ein beständiges Gefühl von Zuhause Sein, Rund Sein, All-Eins-Sein. Und eine milde Freude. Freude, nicht über irgend etwas Konkretes, sondern einfach Freude.

Weil Freude unser ursprünglicher Zustand ist, sagt etwas in mir. Ja, das fühlt sich richtig an.

Du hast in den letzten Wochen und Monaten so viel losgelassen, dass dieser Zustand eine logische Konsequenz ist. In diesem Sinne ist es keine Gnade der Götter, sondern die Arbeit, die du an dir selbst geleistet hast fährt die Stimme fort.

Und doch... Ich realisiere immer deutlicher, dass es keinen spirituellen Weg gibt, sondern nur spirituelles Sein. Wie wir dahin kommen mag sich für uns wie ein Weg anfühlen, aber es kann auch so einfach wie das Umlegen eines Lichtschalters sein.

Für einen Langzeit-Esoteriker wie mich steckt eine wichtige Botschaft in dieser Erkenntnis. Manchmal ist es uns so wichtig, auf einem Weg zu sein, dass wir das Anhalten vergessen, und damit das Sein verpassen.
Wir Menschen sind es, die Spiritualität kompliziert machen, Rituale und Gebete erfinden, uns aufopfern und Götter anbeten, um den Zustand des Im-Kosmos-Aufgehoben-Seins, den wir alle schon mal erlebt haben, festzuhalten.

Die Wahrheit ist so viel einfacher.

Eine schöne Woche!
/|\
Chris

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