Mittwoch, 25. Juli 2012

Pure Präsenz

Bild: Pixelio/Dieterwald Bearbeitung: ich

Es ist schon wieder eine Weile her dass ich hier gepostet habe. Kein Wunder... in den letzten Wochen hat die Renovierung unserer Wohnung einen Großteil meiner Freizeit gefressen, worunter auch meine spirituelle Praxis gelitten hat. Es ist schon merkwürdig zu sehen, was mit einem geschieht, wenn es plötzlich kein Gefühl von Zuhause mehr gibt, weil jedes Zimmer aussieht wie eine Baustelle. Statt die restlichen Stunden zu nutzen, wieder in Harmonie zu kommen, sitze ich wie ein weidwundes Tier in meinem Arbeitszimmer, um die Zeit mit trivialen Fernsehserien zu überbrücken - bis zur nächsten Renovierungswelle.
Gestern habe ich mir - nachdem ich wieder mal stundenlang auf der Suche nach den richtigen Teppichleisten durch die Weltgeschichte gegondelt bin - ein Herz gefasst und den wunderbar sonnigen Abend dazu genutzt, in den nahen Wald zu gehen. Die Mondsichel stand bereits am Himmel, als ich auf dem abgeernteten Feld unweit des Waldrandes stand um das Licht der Sonne in mich aufzunehmen. Ein perfekter Moment ohne große Zeremonie, der für mich bereits die Energie von Lughnasadh vorwegnahm, das offiziell Anfang August gefeiert wird, aber sich logischerweise ohnehin eher nach der örtlichen Ernte richten sollte.
Ich zog weiter zu meinem üblichen Kraftort, und auf dem Weg wurde mir bewusst, dass etwas anders war als in den letzten Monaten. Ich weiß nicht, ob ich dieses Gefühl jemals zuvor dermaßen stark erlebt habe, aber da war es. Nicht ganz unbekannt, aber mit einer völlig neuen kristallklaren Qualität: pure Präsenz.
Kein Nachdenken, kein Erinnerungen durchwühlen, kein Pläne schmieden. Stattdessen das Spiel von Licht und Schatten, Wärme und Kühle auf meiner Haut, die Gegenwart der Bäume, der Duft der Pflanzen und etwas, dass sich anfühlte, als würde ich mit dem Wald atmen und in ihm aufgehen, jegliche menschliche Identität ablegen.
In Zeiten wie diesen kommt mir die Welt realer vor, so als würde sie von innen leuchten. Und Alles ist erfüllt von Kraft, Bedeutung und Bewusstsein.
Wenn Druidentum für mich ein Ziel hat, dann dieses. In diese pure Präsenz und All-Einheit kommen, vielleicht irgendwann zum normalen Modus werden zu lassen. Ich glaube dass die Welt ein anderer, besserer Ort wäre, wenn wir das Alle ständig erleben könnten.
Keine Sorge, ich weiß, dass noch ein Artikel aussteht, in dem ich meine Definition von Druidentum darlege, und er wird kommen. Vorerst aber reicht es mir, zu wissen, dass Druidentum einen spürbaren Effekt auf mich hat. Und die Suche nach Heimat überraschenderweise mit der Erkenntnis endet lässt, dass die ganze Welt mein Zuhause ist.

Kommentare:

  1. Ein wundervolles Foto und ja, ich kann dich gut verstehen mit dem „kein Gefühl von Zuhause mehr“... Wie schön ist es dann, wenn man Energie in der Natur tanken kann! ;) An solchen Erfahrungen lernt und wächst man...

    Liebe Grüsse
    Joanna

    PS: Ich bin tatsächlich gespannt wie deine Definition von Druidentum aussehen wird...

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  2. Es ist mehr als Energien in der Natur tanken, aber Worte sind oft einfach zu begrenzt, besonders wenn es um spirituelle Erfahrungen geht.

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