Donnerstag, 3. Mai 2012

Druidentum oder Der Geschmack des Apfels Teil II

Seltsam Gewandete in Stonehenge: Not my cup of tea (dachte ich).

Als ich zum ersten Mal vom Druidentum hörte fand ich die Idee schrecklich albern, aber irgendwie auch faszinierend. Es muss wohl in einem dieser Zeitschriftenartikel gewesen sein, in denen sich vernünftige Menschen über alle Arten Arten von Aussenseitern amüsieren, so auch die weißgewandeten Käuze, die Jahr für Jahr in Stonehenge die Sonne anbeten.
Das Bild grub sich irgendwann während meiner Kindheit ein und liess mich wohl nie ganz los, denn in den Jahren danach sollte ich so manchen Magier oder Druiden in weißen Roben und mit langem Bart zeichnen. Stets war er gut, weise, würdevoll,nicht ganz von dieser Welt und - solo.
In meinen Teeniejahren interessierte ich mich auch für alles Spirituelle, aber für mich waren das völlig getrennte Welten. Das eine war Fantasy-Mummenschanz, den ich auch liebte, aber eben als Fiktion, das andere eröffnete mir in der mehr oder minder wissenschaftlichen Sprache, die intellektuelle Teenager wie ich es einer war liebten, gänzlich neue Erfahrungswelten. Beide Welten kamen praktisch zusammen, als ich mit ca. 18 Schamanismus und Hexentum, und damit eine intuitivere und praktischere Herangehensweise an Spiritualität, für mich entdeckte.
Ich muss in dieser Zeit wohl auch das Druidentum wieder entdeckt haben, diverse Leute, die ich auf meiner Suche traf, waren sogar der Meinung ich sei einer, aber ich verwarf es schnell; denn A, ich war kein Kelte, und B, Stonehenge war zu weit entfernt, um dort ständig abzuhängen.
Außerdem schienen mir die Rituale, so weit sie sich mir in Fotos erschlossen, viel zu pompös und intellektualisiert, und ich hasste es mich zu verkleiden, schon zu Karneval. Ich sollte wohl zur besseren Erklärung dazu sagen, dass ich zwar total verkopft war, aber in meiner Spiritualität, zumindest seit ich den Schamanismus gefunden hatte, eher das Gegenteil suchte - Intuition, Gefühl, Leidenschaft, Einfachheit.
Wie dem auch sei, es vergingen einige weitere Jahre, in denen ich Alles praktizierte, was mir sinnvoll erschien, ohne einem bestimmten Weg zu folgen (eigentlich mache ich das immer noch so).
Mit dem Einzug des Computers in meinen Haushalt 2002 (ja, ich war ein Spätzünder und bin noch heute technophob, man mag es kaum glauben) erfolgte auch die große Vernetzung mit anderen Naturspirituellen, übers Netz wie auch auf Stammtischen der Pagan Federation.
Plötzlich hatte ich eine Menge Optionen und ich entwickelte den Wunsch einer bestimmten Tradition folgen zu wollen. Ich erwog sowohl den Druidenkurs des OBOD (inzwischen hatte ich mich näher informiert) wie auch einen Kurs bei Silver Circle, einem Zentrum für Wicca, in den Niederlanden. Der Vorteil des letzteren war: ich würde persönliche Lehrer haben, die ich bereits kannte und mochte. Also: wieder kein Druidentum. Seltsamerweise jedoch sollte die Farbwahl meines ersten Gewandes auf weiß fallen...
Um die Sache kurz zu machen: Wicca war in den nächsten Jahren interessant und gab mir viele wichtige Werkzeuge an die Hand, ich wurde initiiert und genoss das Arbeiten in einer kleinen verschworenen Gruppe, jedoch gab es auch genau so viel daran was mich befremdete. Als die Gruppe zerbrach war ich an einem Punkt, wo ich nur noch wenig Sinn sah, mit Wicca weiterzumachen. Wieder einmal auf einer PFI Konferenz fiel mir ein Flyer in die Hand, in dem ein Workshop von Philip Carr-Gomm, dem gewählten Oberhaupt des OBOD, an den Externsteinen angepriesen wurde. Der Flyer war hübsch, mit viel Grün und positiver Ausstrahlung, beides Dinge, die ich im Wicca seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Selbst Carr-Gomms Aussehen mit dem gelassenen Blick und den jungenhaften Locken weckte in mir den vagen Hoffnungsschimmer, dass es vielleicht doch eine passende Richtung für mich gab.
Ich fuhr zu den Externsteinen und von da an hatte es mich gepackt.

Aber was war es nun, um mal wieder zum ursprünglichen Grund dieser Blogreihe zurückzukommen, das mich zum Druidentum zog? Was tun Druiden? Dieser Blog ist schon wieder ziemlich lang, und ich muss gleich zum Yoga, also stay tuned für den nächsten Artikel dieser Reihe!

Demnächst: Was Druiden tun (wirklich)! Plus: Werde ich jemals die Hingabe entwickeln, mir einen richtigen Druidenbart stehen zu lassen?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen