Dienstag, 1. Mai 2012

Druidentum oder Der Geschmack des Apfels Teil I

Apfelbaum von Urlrich Kuhn/pixelio

Der Morgen des ersten Mai ist wohl kein schlechter Zeitpunkt eine Blog-Reihe zu beginnen, die sich damit befasst, was Druidentum eigentlich ist.

Also: Was ist Druidentum? Diese Frage wurde mir im letzten Jahr (genauer gesagt, seit ich einen örtlichen Stammtisch initiiert habe und damit zu dessen lustigem Antwortautomaten geworden bin) oft gestellt und meist beginnt mein Kopf an dieser Stelle etwas zu schwimmen.
Für gewöhnlich will der Fragesteller eine kurze, präzise und intelligente Antwort haben, aber wie erklärt man etwas, das seine Faszination zum Teil daraus schöpft, das es sich einer klaren Definition entzieht? Wie erklärt man jemandem den Geschmack eines Apfels? In Abgrenzung zu dem einer Birne? Besser man lässt denjenigen einfach mal hineinbeissen. Und wie beim Genuss eines Apfels sollte man vielleicht eher zeigen, was Druidentum ist.

Da das allerdings nicht immer geht, will ich den Versuch einer Erklärung wagen, nicht als klare Definition, sondern als Sammlung von Ideen- und Gedankensamen, die vielleicht in dem einen oder anderen zu Früchten heranreifen.
Zunächst einmal ist es wichtig zu begreifen, dass Druidentum eine gewachsene Tradition ist, die nicht in einem hermetisch versiegelten Raum entstanden ist oder am Reißbrett geplant wurde, und damit beinhaltet es viele Dinge, die es auch anderswo gibt. Oft höre ich: "Ja, aber das gibt's doch auch im Wicca." oder "Meditieren kann ich aber auch ohne Religion." oder "Chakren? Das ist doch Hinduismus!".
Ja, sicher. Nichts davon ist neu oder exklusiv. Ein Apfelbaum besitzt Wurzeln, Stamm und Blätter, wie ein Birnbaum auch.
Spirituelle Traditionen beruhen auf den Erfahrungen, die Menschen in und mit der Welt gemacht haben, und kreisen alle um die ursprüngliche Erfahrung des Menschseins und den Versuch des Menschen, die Welt zu begreifen. Deswegen finden wir so viele Gemeinsamkeiten zwischen Druidentum, Hexentum, Schamanentum, Buddhismus, Hinduismus und mitunter sogar den monotheistischen Religionen Christentum, Judentum und Islam. Aber sie sind dennoch nicht dasselbe, denn sie sind unter unterschiedlichen Umständen in unterschiedlichen Teilen der Welt gewachsen, wenn auch in gegenseitiger Beinflussung. Und die ist mitunter immens.
Vielleicht sollten wir einfach damit aufhören, spirituelle Traditionen klar voneinander abgrenzen zu wollen. Vielleicht macht es mehr Sinn, Traditionen wie Personen zu sehen. Jede hat ihren eigenen sehr spezifischen Charakter, so wie Stefan und Klaus unterschiedliche Menschen sind, auch wenn beide blonde Haare haben und gern Schokolade essen. Keiner würde auf die Idee kommen, Menschen in konkreten Aussagen definieren zu wollen. Warum also erwartet man das von Religionen und spirituellen Wegen? Schon mehr als eine Religion hat über diese nicht beantwortbare Frage einen heiligen Krieg angezetteln und ihren Mitmenschen den Schädel eingeschlagen. Vielleicht ist es sogar Teil der Natur des Druidentums, dass wir das nicht tun.

Als ich begann mich ernsthaft für das Druidentum zu interessieren und es als spirituellen Weg zu erwägen, hatte ich bereits viele Jahre der schamanischen Praxis und einige Jahre Wicca hinter mir. Was mich am Druidentum anzog war, dass es meine bisherigen Erfahrungen zu einem Ganzen zusammenzuführen und ihm eine weitere Dimension hinzuzufügen schien. Es respektierte das Wissen, dass ich mir in anderen Traditionen angeeignet hatte. Insgesamt  betont Druidentum eher die Gemeinsamkeiten als die Unterschiede, weil es sich der Tatsache bewusst ist, eine organisch bewachsene Tradition zu sein. Es ist ein lebendigen Wesen, das stets weiter wächst wie ein Baum, der sich seiner Umwelt anpasst, und doch stets er selbst bleibt. Und wie ein Baum besteht Druidentum nicht nur aus seinen Wurzeln, den überlieferten Texten und Ritualen, sondern auch aus Stamm, Ästen und Blättern. Es scheint ständig etwas hinzuzukommen, und viele der Druiden die ich kenne begeistern sich für Quantentheorie, moderne ökologische Methoden oder Trancemusik.

Vielleicht ist es also sinnvoller zu fragen was Druiden tun, anstatt so etwas Theoretisches wie eine Definition einfordern zu wollen. Und darum geht es in der... Fortsetzung!

Einen schönen ersten Mai wünscht
/|\
Chris

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